An die Stadtverwaltung:
Auch im vierten Jahr der Aktivitäten in Fürth möchten wir an erster Stelle für die bewährte, gute Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung, insbesondere dem Grünflächenamt, herzlich danken. Auch die örtliche Polizei begleitete uns erneut zuverlässig und freundlich bei den Umzügen. Erfreulich sind die diesjährigen Pflanzungen am ehemaligen Wanderbaumallee-Standort Zeppelinstraße und die von Herrn Oberbürgermeister Dr. Jung angekündigte Begrünung an der Frankenstraße Ende 2026.
Der Rückblick auf 2025 erfolgt anhand unserer Zielindikatoren:
Identifikation von geeigneten Standorten für Stadtgrün
Die Resonanz an den Standorten – gemessen an der Teilnahme an den Vorabinformationsterminen der Bereitschaft der Anwohnenden, sich zuverlässig als Gießpaten zu engagieren, sowie den mündlichen wie schriftlichen Rückmeldungen – war erneut sehr unterschiedlich. Wie in den letzten Jahren wurde der Standort in der Blumenstraße wieder sehr gut von der Anwohnerschaft unterstützt. Dies unterstreicht den Wunsch aus der Anwohnerschaft, dort permanent Straßenbäume zu erhalten.
Gut aufgenommen wurde die Aktion auch in der Fichtenstraße, die nicht nur in dem besuchten Abschnitt zwischen Schreiber- und Schwabacher Straße großes Potenzial für Baumscheiben besitzt. Ambivalent waren die Reaktionen in der Gutenbergstraße. Einerseits fanden sich ausreichend Unterstützende sowie gutes Feedback, andererseits wurden auch einige Module durch einen Anwohner
eigenmächtig und unter Beschädigung der Sicherungen verschoben, um sich Parkraum zu verschaffen.
Zum Standort in der Nürnberger Straße erhielt die Wanderbaumallee ebenfalls positive Rückmeldung, wenngleich der Ort von vornherein aufgrund des Fehlens anderweitigen Möglichkeiten in der Oststadt eher eine Notlösung war.
Ein zusätzlicher Standort wurde aufgrund des hohen Organisationsaufwandes nicht realisiert, stattdessen verbrachten die Module die Sommerpause vor dem Zukunftssalon, bevor sie zur Kulturterrasse weiterwanderten.
Auch am Grünen Markt wurden sie – wie schon die Jahre zuvor – sehr positiv aufgenommen und rege genutzt. Sehr viele Nutzer*innen wünschen sich für den Platz mehr Grün und Sitzplätze ohne Konsumzwang. Sie betonen, dass der Ort einlädt, sich zu setzen und die Fassaden zu bewundern. Zwar erlaubt die Beschaffenheit des Untergrunds hier derzeit keine Pflanzung von Bäumen, dennoch kann hier z.B. durch mobile Lösungen oder eine Rankgitterüberdachung dem Bedarf der Bürger entsprochen und ein großer Mehrwert geschaffen werden.
Schaffung von Aufenthaltsmöglichkeiten – hier ist noch Luft nach oben
In Bezug auf das Ziel neben mehr Grün auch Sitzmöglichkeiten in den Quartieren zu schaffen bleibt der erhebliche Bedarf seitens der Bürger leider weiterhin unbeantwortet. Gerade aber das würde für ein Gemeinschaftsgefühl und für mehr Identifikation im Nahraum sorgen. Die Straße oder besser der öffentliche Raum sollte nicht nur zum Durchqueren, sondern für einen guten Aufenthalt gestaltet sein, gerade in einer älter werdenden Gesellschaft. Hier besteht weiterhin Handlungsbedarf.
Förderung der Aufenthaltsqualität und sozialen Nachbarschaft
Die Kooperation mit den Koordinierten Stadtteilnetzwerken (KSN) verlief wie geplant: Neben den KSN Innen- und Oststadt beteiligten sich in diesem Jahr auch das KSN Hard, das das Scherbsgraben-Gebiet betreut. Die Stadtteilkoordinator*innen wählten die Standorte mit aus und organisierten jeweils zur Ankunft der Wanderbaumallee kleinere Nachbarschaftsfeste. Da das KSN Südstadt keine Ressourcen freimachen konnte, wurde das Willkommensfest in der Fichtenstraße von der Wanderbaumallee alleine durchgeführt. Auch die Ankunft am Grünen Markt wurde entsprechend mit einem vom Zukunftssalon organisierten Nachbarschaftstreff kombiniert.
Förderung des Diskurses zur Qualität des öffentlichen Raumes & Werbung für Stadtgrün
Für die sechs Baummodule wurde erneut eine bunte Auswahl zur Verfügung gestellt, die vor Ort anschaulich informieren, was sich für das Stadtklima eignet. Alle vorgesehenen Aktionen zur
Bürgerbeteiligung wurden durchgeführt: Ca. zwei Wochen vor jedem Start wurden Anwohnende per Flugblatt informiert und zu einem Informationsgespräch eingeladen, wo auch Bedenken und Anregungen zur Sprache kommen konnten. An keinem der Standorte erhielten wir kritische Hinweise, es fanden sich lediglich künftige Gießpaten ein. Ein „Postkasten“ an den Bäumen, der regelmäßig von der Initiative geleert wurde und die Kommunikation über Social Media erzeugte weit überwiegend positives Feedback. Auch die Umzüge sorgten für auffällige Auftritte in den Stadtteilen, die für die Werbung genutzt werden konnten. Die Presseberichte sorgten für weitere Werbewirksamkeit, die aber nicht an das Ausmaß des Vorjahres mit dem Vandalismus-Fall heranreichten.
Erfreulich war die Kooperation mit der „Zukunftswerkstatt“ des Helene-Lange-Gymnasiums: die Schüler*innen engagierten sich bei zwei Renovierungs- und Pflanzaktionen im Frühjahr.
Unsere Planungen für 2026 sehen vor: die Wanderbaumallee wandert aus nach Nürnberg.
Der Initiative gelang es leider nicht, das Organisationsteam für 2026 auf einem ausreichenden Umfang zu
stabilisieren bzw. neue Mitstreiter*innen zu gewinnen. Die Organisation erfordert nicht zuletzt aufgrund
der hohen Auflagen zur Bürger*innenbeteilung durch die Stadt umfangreiches Engagement, das aktuell
nicht abgedeckt werden kann. Zudem erwies es sich auch 2025 als schwierig, jeweils Stadtratsbeschlüsse
im Februar abwarten zu müssen, bevor weitere konkrete Planungen erfolgen konnten.
Erfreulich sind die Baumpflanzungen in Straßenabschnitten, mit der wir mit der Wanderbaumalle waren
(Salz-, Holz- und Zeppelinstraße). Sehr schade war jedoch, dass die Initiative nicht zu den Baumpflanzungen
in den ehemaligen Standortstraßen eingeladen wurde. Damit hätte öffentlichkeitswirksam nochmals
deutlich gemacht werden können, dass sich Bürgerbeteiligung lohnt, um gemeinsam die Hitze-Situation in
der Stadt zu verbessern.
Seit vier Jahren versucht die Initiative mit viel persönlichem Engagement, einem kooperativen Stil, hohem Kommunikationsaufwand und einem großen Maß an Kompromissbereitschaft
Bürgerschaft, Verwaltung und Politik zusammen zu bringen. Letztendlich waren es die Mitglieder der Initiative die sich vor Ort den Beschwerden stellten und den Weg für die Begrünung ebneten.
Trotz der guten Zusammenarbeit mit den städtischen Dienststellen zermürbte die Vielzahl der einzelnen Anträge, die Beschränkungen durch die begrenzte Bereitschaft mehr als nur vereinzelte Parkplätze einzubeziehen und die kurzen Standzeiten, verbunden mit der häufigen Anzahl von Umzügen die Mitglieder der Initiative. Das Ansinnen der Wanderbaum-Initiative war immer, einen friedlichen Testballon zu starten und im Dialog mit den Betroffenen gute Lösungen zu finden. Da hätten sich ihre Mitglieder mehr Vertrauen gewünscht. Vertrauen, das es braucht für eine gute Zusammenarbeit und für Wandelprozesse. Auch das Vertrauen, dass Bürger*innen mehr mitmachen, als man denkt und vor allem auch diese mittragen, wenn sie gut kommuniziert werden.
Wir danken denjenigen, die uns mit Vertrauen und positiver Energie unterstützt haben!
Mit freundlichen Grüßen
Initiative Wanderbaumallee Fürth
